„Wir machen uns für sichere Arbeitsplätze in einer unsicheren Zeit stark“

Am 25. November finden im Eupener Kabelwerk die Sozialwahlen statt. Derzeit sind annähernd 900 Menschen beim größten Arbeitgeber der DG beschäftigt. Auch im Kabelwerk steht 2020 - wie sollte es auch anders sein - ganz im Zeichen der Corona-Pandemie. Über die sozialwirtschaftlichen Aspekte und über die Folgen der Corona-Pandemie sprachen wir mit Laurent Conzen. Der 44-Jährige aus Moresnet-Chapelle ist seit einigen Monaten CSC-Hauptdelegierter im Kabelwerk. Vorher war er 24 Jahre als Elektriker im Werk tätig.

Laurent Conzen, was hat die CSC-Delegation in den letzten Jahren erreicht?

In dem schwierigen politischen und wirtschaftlichen Kontext der letzten Jahre haben wir in vielen Punkten das Bestmögliche für das Personal herausgeholt. Es war uns unter anderem möglich, die Mahlzeitschecks zu erhöhen und überdurchschnittliche Lohnerhöhungen auszuhandeln. Zudem stehen den Arbeitern im Alltag jetzt neue Fleecejacken sowie Wasserspender im ganzen Werk zur Verfügung.
Es sollte auf jeden Fall erwähnt werden, dass wir im Kabelwerk über sehr gute Bedingungen verfügen. Ich denke da zum Beispiel an die 13. und 14. Monatsgehälter, die jährlich ausbezahlt werden, und die Krankenhausversicherung, die die Ehepartner einschließt, und auch nach dem Übergang in die Rente erhalten bleibt. Solche Vorteile sind nicht selbstverständlich und einem sehr sozialen Arbeitgeber zu verdanken.

Meine Vorgänger haben sehr gute Arbeit geleistet. Arbeit, die oftmals nicht gesehen wird, denn sie geschieht im Hintergrund. Es fällt viel administrative Arbeit an, um einen guten Service zu gewährleisten. Dabei werden viele Probleme geregelt, die nicht an die große Glocke gehängt werden, denn unsere Interventionen geschehen unter größter Vertraulichkeit, da sie die sehr persönliche Situation des jeweiligen Mitarbeiters betreffen.

Vor einigen Monaten hast du die Nachfolge von Daniel Mackels angetreten. Wie sind die ersten Erfahrungen als Hauptdelegierter?

Ich bin in den letzten vier Jahren von Daniel Mackels an die Gewerkschaftsarbeit herangeführt worden. Die Arbeit eines Hauptdelegierten ist bei Weitem nicht immer einfach und zuweilen auch psychologisch herausfordernd. Er hat seine Aufgabe 13 Jahre lang immer mit großer Professionalität und Menschlichkeit wahrgenommen. Ich möchte ihm an dieser Stelle für seine hervorragende Arbeit herzlich danken.

Ich habe vor rund fünf Jahren in der Delegation angefangen und mich zu Beginn auf die Kommunikation konzentriert. Im Laufe der Zeit bin ich in die Gewerkschaftsarbeit hineingewachsen. Ich habe versucht, Daniel mehr und mehr zu unterstützen und habe mich folglich immer mehr engagiert. Als Elektriker komme ich in alle Abteilungen, jeder kennt mich. Die Kollegen sprechen mich an und berichten über ihre Probleme. Im Moment kommt natürlich viel zusammen: Corona, Kurzarbeit, Sozialwahlen,… 

Seit einem halben Jahr beschäftigt uns alle das Thema Corona. Inwiefern war das Eupener Kabelwerk von der Pandemie betroffen?

Corona hat für viel Unruhe im Werk gesorgt. Viele Menschen mussten mit der Angst vor Ansteckung arbeiten kommen, eine Angst die noch zusätzlich von den Medien geschürt wurde. Die CSC musste sehr oft eingreifen, um die Situation konstruktiv anzugehen, indem sie nach praktischen Lösungen gemeinsam mit der Direktion, den Abteilungsleitern und den Arbeitern suchte. Maschinen, die normalerweise von zwei Personen bedient werden, mussten zum Beispiel auf eine Ein-Mann-Führung umsteigen, was sich auf die Produktionsgeschwindigkeit auswirkte. Das Reinigungspersonal hat zusätzliche Stunden geleistet, um eine umfangreichere Desinfektion zu gewährleisten. Zusätzlich wurden Arbeiter in die wichtige Desinfektionsarbeit involviert.

Während dieser Zeit standen wir zusätzlichen Herausforderungen gegenüber. Die Büros der CSC waren zeitweise geschlossen, somit mussten wir uns den vielen Fragen der Arbeiter stellen und ihnen Informationen und Dokumente zukommen lassen, die im Normalfall in den Dienstleistungszentren zur Verfügung gestellt werden.

Wir setzen weiterhin alles daran, in diesem besonderen Kontext die bestmöglichen Sicherheitsbedingungen für die Arbeiter zu schaffen, haben dafür viele außerordentliche AGS (A.d.R.: Ausschuss für Gefahrenverhütung und Schutz am Arbeitsplatz) abgehalten. Bisher sind uns nur wenige Coronafälle im Werk bekannt. Wir hoffen, dass wir die Pandemie bis zum Ende mit geringen Fallzahlen überstehen. Wir sind sehr froh darüber, dass das Werk in der Lockdown-Zeit nicht geschlossen werden musste, dies hätte fatale Folgen für den Fortbestand der Arbeitsplätze gehabt.

Wie siehst du die kommenden Jahre?

Es hat einige Veränderungen im Gewerkschaftsteam gegeben: 9 Kollegen haben sich nicht erneut für die Sozialwahlen aufstellen lassen. Im Gegenzug wird die Liste um 13 neue Kandidaten bereichert.

Wir haben uns gemeinsam greifbare Ziele gesetzt, durch die alle Mitarbeiter sich mit der Gewerkschaftsarbeit identifizieren können und das Vertrauen ins neue Team hergestellt werden soll. So wollen wir uns für den Ausbau der bestehenden Kommunikation im Werk sowie den Erhalt der sozialen Werte einsetzen, weiter an der Verbesserung des Arbeitsklimas arbeiten und uns für sichere Arbeitsplätze in einer unsicheren Zeit stark machen.

Als Delegierter nehme ich bereits seit einigen Jahren an Gremien der CSC teil (Direktionskomitee, Regionalkomitee Süd und Allgemeiner Rat), wo zahlreiche Abkommen vorbereitet werden. Dort setze ich mich aktiv dafür ein, dass alle Dienstleistungen und Dokumente der CSC Metea stets auf Deutsch zur Verfügung stehen. Ich hoffe, dass der Übergang mit dem neuen Team fließend verläuft und dass die Änderungen von allen positiv aufgenommen werden. Ich hoffe auf die Unterstützung unserer Mitglieder und des neuen Gewerkschaftsteams. 



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