St. Nikolaus Hospital Eupen

„Das Personal war fix und fertig“

Das St. Nikolaus Hospital Eupen beschäftigt rund 500 Mitarbeiter und gehört somit zu einem der größeren Arbeitgeber in der Region. Schon seit vielen Jahren finden dort Sozialwahlen statt und aufgrund der Anzahl Mitarbeiter, 310 von ihnen CNE-Mitglieder, sind die Arbeitnehmer in einem Ausschuss für Gefahrenverhütung und Schutz am Arbeitsplatz und einem Betriebsrat vertreten. CSC Info traf Andreas Schumacher und Philippe Baltus, beide langjährige CNE Delegierte zum Gespräch. 

Ihr blickt gewiss nicht auf einfache Jahre zurück und die jetzige Situation hat euch das Leben sicherlich nicht gerade erleichtert, oder?

Ja, es waren schwierige Zeiten in den letzten Monaten und unser Delegationsbüro ist fast zum psychologischen Betreuungsraum mutiert. Die Leute waren einfach fix und fertig und mussten so einiges loswerden. Anfänglich hatten wir auch nicht das notwendige Schutzmaterial, was bekanntlich belgienweit ein Problem war. Natürlich hat die ganze Situation bei den Beschäftigten Sorgen und Ängste ausgelöst. 

Nicht nur beruflich sondern auch rein menschlich waren es schwierige Zeiten - und sind es noch immer, denn das Virus ist noch immer da und die nächste „normale“ Grippewelle wird auch nicht lange auf sich warten lassen. Zurzeit rennen wir noch der Normalität hinterher, denn alles, was wegen Corona an medizinischen Tätigkeiten verschoben wurde, muss jetzt dringend nachgeholt werden.
Rein beruflich kam während der anfänglichen Coronakrise hinzu, dass bei uns kein Kurzarbeitsabkommen bestand und die Arbeitnehmer zuerst Minus-Stunden in Kauf nehmen mussten. Manche sogar bis zu 60 Stunden. Ab dem 11. April konnten wir dann endlich auch auf das System der Kurzarbeit zurückgreifen.

Was konntet ihr seit 2016 für die Beschäftigten erreichen?

Auf nationaler Ebene ist das überberufliche Abkommen 2017 - 2020 des nicht -kommerziellen Sektors eine große Unterstützung, da das Personal künftig drei Wochen Urlaub am Stück erhalten kann, denn das ist keineswegs der Normalfall in unserer Branche. Manchmal mussten die Kollegen nach knapp drei Wochen bereits am Wochenende wieder antreten oder erhielten erst gar keine drei Wochen. Das ist nicht normal und ganz gewiss nicht angesichts der Schwere des Berufs.

Ein weiterer Lichtblick ist die Einführung der ersten Phase der neuen „Baremisierung IFIC“ (A.d.R.: Lohnreform, siehe auch Seite 15) was bis 2022 für zahlreiche Personalmitglieder eine 5 bis 10 % Lohnerhöhung mit sich bringt.

Und in punkto Frühpension, die ja noch bis 2020 möglich ist?

Da konnten wir die Weiterführung für drei Jahre unseres Betriebsabkommens verhandeln, sodass die Arbeitnehmer anstatt eine zusätzlichen Entschädigung seitens des Arbeitgebers von 50% des Unterschiedes zwischen dem Nettoreferenzlohn und der Arbeitslosenentschädigung je nach Dienstalter zwischen 60 und 80 % erhalten.

Da es immer schwieriger wird in Frühpension zu gehen, mussten wir schauen, wie wir das Karriereende verträglicher gestalten können, denn die Frühpension ist nur noch bis Ende 2020 möglich und die Anerkennung als schwerer Beruf lässt auch noch auf sich warten. 
Wir konnten im Abkommen von 2005 - 2010 für alle Arbeitnehmer, die im Patientenkontakt stehen, ab 45 Jahre monatlich einen zusätzlichen Urlaubstag verhandeln, ab 50 Jahre zwei Tage monatlich und ab 55 Jahre drei Tage, was für die älteren Mitarbeiter eine willkommene Erleichterung bedeutet. Zumal im St. Nikolaus Hospital, bedingt durch die Pensionsreformen noch viel älteres Personal beschäftigt ist. Dieses Nationale Abkommen wurde seitens der Regierung in Frage gestellt und musste verteidigt werden.

Apropos Anerkennung als schwerer Beruf, wie geht es damit weiter?

Das ist natürlich eine Sache, an der auf nationaler Ebene gearbeitet werden muss und wir kämpfen weiterhin für die Anerkennung als schwerer Beruf. Es ist sicherlich nicht nachvollziehbar, warum die Berufe des Baugewerbes berechtigterweise als schwere Berufe anerkannt werden, aber die des Pflegepersonals, das oftmals auch schweren Lasten und zudem großem mentalen Druck ausgesetzt ist, nicht als solche eingestuft werden!

Der Beruf wurde in der Öffentlichkeit ja auch durch den erheblich geleisteten Widerstand gegen die Sparpolitik im Gesundheitssektor anders wahrgenommen, nicht zuletzt auch wegen der Dienstagsaktionen der Weißkittel.

Ja und durch den Ausbruch der Coronakrise wurde endlich allen mal deutlich, wie wichtig ein gut funktionierendes Gesundheitssystem ist und wie wichtig die soziale Sicherheit insgesamt ist. Durch diesen erheblichen Widerstand und dank unseres Kampfes konnte 2018 im Gesundheitssektor eine weitere „Sozial Maribel“-Maßnahme durchgeführt werden, welche insgesamt im St. Nikolaus Hospital seit 2016 mit fünf zusätzlichen Vollzeit-Arbeitsstellen zu Buche schlug. Erfolgreich waren auch die Dienstagsaktionen der Weißkittel. Diese Aktionen führten zur Schaffung eines Fonds der Weißkittel, der eine Zusatzfinanzierung von 500 Millionen Euro für die 100%-Umsetzung der IFIC-Baremisierung und 100 Millionen Euro zur qualitativen Verbesserung der Arbeitsbedingungen zur Zielsetzung hat. Ein schöner Sieg für alle, die sich eingesetzt haben, auch für diejenigen, die nicht an einen Erfolg glaubten. Sich zu mobilisieren lohnt sich! 

Wie sieht euer Ausblick auf die kommenden vier Jahre aus?

Bis 2022 wollen wir die IFIC-Baremisierung komplett umgesetzt haben, drei Wochen Urlaub am Stück (21 Tage) als Norm festlegen, für die Stabilität der Stundenpläne kämpfen, um so das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Familie zu fördern. Des Weiteren fünf Tage Weiterbildung pro Jahr für jeden Beschäftigten verwirklichen und natürlich die psychosoziale Risikoanalyse pro Dienst weiterführen. 
Zudem steht noch die Aktualisierung der jetzigen Arbeitsordnung auf dem Programm, wobei man sich natürlich in den kommenden vier Jahren auch eventuellen Herausforderungen, mit denen man jetzt noch nicht rechnet, stellen muss.

Vergessen darf man dabei auch nicht, dass man sich als Delegierte in der heutigen Zeit immer wieder dafür einsetzen muss, hart erkämpfte Rechte zu bewahren. Für das gesamte Personal, also auch für Diejenigen, die nicht gewerkschaftlich organisiert sind. Heute sehen leider viele Menschen all das als Selbstverständlichkeit an. Doch dem ist nicht so! Es wäre daher wichtig, dass möglichst viele diesen Kampf unterstützen, denn je mehr wir sind, desto mehr Druck können wir ausüben und uns für die Rechte der Arbeitnehmer einsetzen.

Ein straffes Programm für die kommenden 4 Jahre! Wir wünschen euch viel Erfolg und die volle Unterstützung des gesamten Personals!

Personalization