Betrügerische „Stuhlvermietung“ in der Friseurbranche
Die europäischen Sozialpartner der Friseurbranche schlagen Alarm wegen betrügerischer Vermietung von Friseurstühlen. Denn Scheinselbstständigkeit muss vermieden werden.
Der Friseursektor, der zum großen Teil aus Kleinst- und Kleinunternehmen besteht, die in Städten und Einkaufsstraßen angesiedelt sind, stellt einen strategischen Teil der industriellen Basis und der lokalen Dienstleistungen Europas dar. Er hat das Potential, hochwertige Arbeitsplätze, Kompetenzen und Unternehmergeist zu schaffen, die wirklich „Made in Europe“ sind. Aber in einer arbeitsintensiven Branche, in der die Löhne einen großen Teil der Betriebskosten ausmachen, verzerren falsche Einstufungen den Wettbewerb. Scheinvermietungen von Friseurstühlen, wodurch Arbeitnehmer als Selbstständige eingestuft werden, obwohl sie unter Bedingungen arbeiten, die einer Anstellung ähneln, gehören zu diesen problematischen Methoden. Sie schaden dem fairen Wettbewerb, dem Sozialschutz und den beruflichen Standards. Sie benachteiligen verantwortungsbewusste Arbeitgeber, die in Ausbildung und menschenwürdige Arbeit investieren, und verringern die Steuer- und Sozialbeiträge, die das europäische Sozialmodell stützen. Für Coiffure EU und UNI Europa, die europäischen Sozialpartner des Friseursektors, schwächt die Verbreitung solcher Praktiken die Fähigkeit Europas, qualifizierte Arbeitskräfte und ein wettbewerbsfähiges Ökosystem für kleine Unternehmen zu erhalten. Beschäftigungsbasierte Salons sind wichtige Drehscheiben für Ausbildung, Innovation und berufliche Exzellenz. Sie prägen lebendige Einkaufsstraßen, unterstützen lokale Lieferketten und erhalten eine europäische Handwerkstradition, die auf Qualität und Standards beruht.
Aufruf zum Handeln Vor diesem Hintergrund haben die Sozialpartner eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie gegenüber der Europäischen Kommission ihre große Besorgnis über die rapide Ausbreitung der betrügerischen Vermietung von Friseurstühlen zum Ausdruck bringen. „Dank des sozialen Dialogs haben die Sozialpartner eine Erklärung unter‑ zeichnet, die ein Aufruf zum Handeln ist“, sagt Luca Baldan, Präsident von UNI Europa für Friseur- und Schönheitssalons und Nationalsekretär der CSC Bau - Industrie & Energie. „Es ist dringend notwendig zu handeln, um unseren Sektor zu schützen.“ Coiffure EU und UNI Europa haben daher die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten aufgefordert, gegen Scheinmietverträge im Friseursektor vorzugehen, die Durchsetzung der Arbeits- und Steuergesetze zu verstärken, Ausbildung und Zertifizierungssysteme zu fördern und den sektoralen Sozialdialog in der EU zu intensivieren. Außerdem sollen persönliche Dienstleistungen in eine umfassendere europäische Industriestrategie, die nachhaltige KMU und hochwertige Arbeitsplätze unterstützt, integriert werden.
