Wie alles begann (1850-1978)

Die christliche Gewerkschaftsbewegung entstand im XIX. Jahrhundert im Anschluss an die industrielle Revolution. Zu dieser Zeit ersetzt die Maschine das Handwerk, die Fabriken vermehren sich und eine neue soziale Kategorie erblickt das Licht der Welt: die Arbeiter. Ihre Arbeitsbedingungen sind erschreckend: Arbeitstage von mehr als 14 Stunden in ungesunder Umgebung und für Elendslöhne. Kinderarbeit ist allgemein verbreitet.

Die Lebensbedingungen der Arbeiterfamilien sind ebenfalls katastrophal. Es gibt enorme Wohnprobleme. Sozialschutz gibt es nicht: Die arbeitslosen Arbeiter oder die Opfer eines Arbeitsunfalls müssen sehen, wie sie zurecht kommen. Die Wut, die Revolte, die Frustration eskaliert manchmal, aber Störungen werden hart niedergeschlagen. Im Allgemeinen schlägt die Aktion der Arbeitnehmer fehlt mangels Organisation.

In diesem Kontext entsteht die Gewerkschaftsbewegung in unserem Land in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Am 4. März 1857 wird in Gent die „Broederlijke Maatschappij der Wevers“ (Vereinigung der Weber) und einen Monat später die „Maatschappij der Noodlijdende Broeders“ (Spinner) gegründet. Diese ersten Gewerkschaften nehmen eine gemäßigte Haltung ein und konzentrieren sich auf die Verteidigung der beruflichen Interessen. Sie stehen allen Arbeitern offen, unabhängig von ihren politischen oder philosophischen Überzeugungen.

Sehr schnell vereint sich eine radikale Minderheit mit den aufkommenden sozialistischen Ideen, die den Klassenkampf einsetzen möchten, um Gleichheit und Gerechtigkeit durchzusetzen. Diejenigen, die sich dieser Auffassung nicht anschließen, gründen im Dezember 1886 den „Antisocialistische Katoenbewerkersbond“ (anti-sozialistische Liga der Baumwollarbeiter). Ihre Strategie besteht eher in der Zusammenarbeit zwischen den Klassen als im Klassenkampf.

Auch in anderen Berufen beginnen die Arbeiter sich zu organisieren. Das katholische Bürgertum und die Kirchenhierarchie wollten Arbeitgeber und Arbeitnehmer in eine einzige Vereinigung vereinen. So entstanden zahlreiche gemischte Berufssektionen innerhalb von Gilden und Arbeiterkreisen, die vom Bürgertum angeleitet wurden.

Doch nach und nach werden diese gemischten Berufsvereinigungen durch wirkliche unabhängige Gewerkschaften ersetzt, die nur die Arbeiter umfassen. Dieser Prozess erreicht um 1900 einen Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt. Die christliche Gewerkschaftsbewegung kann somit starten.

1904 wird auf Veranlassung eines jungen Dominikaners, Pater Rutten, das Generalsekretariat der christlichen Berufsunionen eingesetzt. Es entstehen zahlreiche Gewerkschaften. 1904 zählte man 115 christliche Gewerkschaften mit insgesamt 15.000 Mitgliedern, 1914 waren es schon 1100 Gewerkschaften mit 120.000 Mitgliedern.

Im Dezember 1908 entsteht der „(Vlaams) Verbond der Christene Beroepsverenigingen“, im Juni 1909 die „Confédération des Syndicats Chrétiens et Libres des provinces wallonnes“.

Im Juni 1912 beschließt man, die beiden regionalen Bezirksverbände zu vereinen in einen einzigen nationalen Gesamtverband, den „Confédération générale des Syndicats Chrétiens et libres de Belgique/Algemeeen Christelijk Vakverbond“. Gustaaf Eylenbosch wird erster CSC-Präsident.

Hin zu einer vollständigen Anerkennung (1918-1944)

Der Erste Weltkrieg schwächt die CSC erheblich. Die sozialistische Gewerkschaftsbewegung kennt einen enormen Aufschwung, die CSC hält durch und schreitet voran. Im Jahr 1919 zählt sie erneut 65.000 Mitglieder und deren Anzahl steigt beständig weiter. 

Viele Berufsverbände, die vor dem Krieg bestanden, werden zu Berufszentralen und ihre Anzahl wird Ende der 20er Jahre infolge von Fusionen auf 18 reduziert. Die ehemaligen unabhängigen Gewerkschaften verwandeln sich in lokale Berufssektionen, die den nationalen Zentralen unterstehen. 

Dies verstärkt den Kampfgeist der Gewerkschaftsbewegung erheblich: Jede kleine Aktion kann, nachdem sie von den Instanzen anerkannt wurde, auf die Unterstützung der gesamten Zentrale zählen. Im Jahr 1923 wird die endgültige französische Bezeichnung „Confédération des Syndicats Chrétiens“ festgelegt. Eine wichtige Etappe der Zentralisierungspolitik der CSC ist im März 1926 die Schaffung einer einzigen zentralen Widerstandskasse, die die Streikkassen der verschiedenen Zentralen umfasst.

Während der Wirtschaftskrise der 30er Jahre wird die CSC in die Defensive gedrängt. Ein Drittel der CSC-Mitglieder ist arbeitslos. Die Tätigkeit der CSC wird mehr und mehr von der Verwaltung der Arbeitslosigkeit in Anspruch genommen. Der leichte Wirtschaftsaufschwung in 1935 erlaubt es der CSC, wieder in die Offensive zu gehen. 

Im Juni 1936 führt sie mit der sozialistischen Gewerkschaft erfolgreich den „Streik der 500.000“. Die Arbeitnehmer erhalten eine Woche bezahlten Urlaub, das Prinzip der 40 Stunden-Woche, den garantierten Mindestlohn und eine Erhöhung der Familienzulagen. Ein anderes sehr wichtiges Ergebnis: Die CSC wird nun von der sozialistischen Gewerkschaft und von der öffentlichen Hand als gleichwertiger Ansprechpartner anerkannt.

Der Zweite Weltkrieg führt zu einer schweren Krise innerhalb der CSC. Vor dem Krieg hatte das Büro beschlossen, im Falle einer Besetzung die Aktivitäten einzustellen. Als aber die deutschen Besetzer ihre Union der handwerklichen und intellektuellen Arbeitnehmer durchsetzen möchte, führt die Diskussion über eine Beteiligung an diesen einzigen obligatorischen Gewerkschaft im November 1940 zu einer Spaltung zwischen Anhängern und Gegnern. Als aber im August 1941 klar wird, dass diese Gewerkschaft nur ein Instrument des Besetzers ist, beenden die CSC-Anhänger ihre Mitarbeit.

Während des Krieges diskutieren die CSC und die sozialistische Gewerkschaft mit den Vertretern der Arbeitgeberorganisationen ein „Abkommensprojekt der sozialen Solidarität“, das ab Ende des Konfliktes im April 1944 die Richtlinien für eine soziale und wirtschaftliche Konzertierung und Zusammenarbeit in der Nachkriegszeit festlegt.

Durch die Konzertierung programmierter Wohlstand (1944-1971)

Zwischen 1944 und 1948 werden acht nationale Arbeitskonferenzen abgehalten, die sich im Wesentlichen um die Löhne und die Preise drehen. Im September 1948 wird das Gesetz über die Organisation der Wirtschaft anerkannt. Es führt zur Einsetzung des Zentralen Wirtschaftsrates in 1948 und des Landesrates der Arbeit in 1952.

Im Jahr 1950 werden die ersten Wahlen für die Betriebsräte in den Betrieben organisiert. Die neuen, sich daraus ergebenden Verantwortungen, sowie die Verdoppelung der Mitgliederzahl (520.000 in 1952) verpflichten die CSC, ihre Dienste auszuweiten.

Es entstehen der juristische Dienst und der Studiendienst und es werden neue Dienste organisiert, vor allem für die Grenzgänger, die Saisonarbeiter, die Einwanderer und für die Frauen. Zur Begleitung der Aktivitäten der Betriebsräte wird im Jahr 1950 in jedem regionalen Bezirksverband ein Dienst für die Betriebsdelegierten geschaffen. In 1952 werden die bis dahin verstreuten Schulungsinitiativen in einem nationalen Schulungs- und Propagandadienst zentralisiert.

Im Jahr 1947 werden die neuen Statuten verabschiedet, die den Bezirksverbänden ein Statut übertragen, das den Zentralen gleichwertig ist. Sie erwähnen zum ersten Male das aktuelle 2 Pfeiler-System: das Berufliche und Überberufliche.

Im Mai 1954 unterzeichnen die CSC, die FGTB und die Arbeitgeber eine gemeinsame Erklärung über die Produktivität. Für die CSC muss die Produktivitätserhöhung mit einer seriösen Verringerung der Arbeitszeit einhergehen. Ende 1954 ruft sie zur Einführung der 5 Tage-Woche zu je 9 Stunden auf. Nachdem die CSC im Juli 1955 eine Serie von Streiks an Samstagen durchgeführt hat, gibt die Arbeitgeberschaft nach. Es dauert allerdings noch weitere 10 Jahre, bis die 5 Tage-Woche in allen Sektoren zur Pflicht wurde.

Während dieser Zeit gab die liberal-sozialistische Regierung ihre ersten Schulgesetze heraus. Die Beschäftigung und die Lohnbedingungen von Hunderten christlichen Lehrern standen auf dem Spiel, die CSC stand an der Spitze der Reaktion der katholischen Welt.

Ende 1960 erarbeitet die Regierung aufgrund des starken Anstiegs der öffentlichen Schuld einen wichtigen Wirtschaftsplan: das „Einheitsgesetz“. Dieses führt vor allem in der Wallonie zu fast aufständischen Protesten seitens der FGTB. Die CSC wie auch die flämische FGTB beteiligen sich nicht daran...

Die 60er Jahre sind im Wesentlichen gekennzeichnet durch die strukturierte Konzertierung zwischen Arbeitgeber und Gewerkschaften. Zwischen 1960 und 1976 ermöglichen die überberuflichen nationalen Abkommen, dass auch die Arbeitnehmer ihren Anteil am fortschreitenden Wohlstand finden. 

Die 40 Stunden-Woche wird eingeführt und das garantierte monatliche Mindesteinkommen. Zahlreiche Kollektivabkommen sehen Vorteile nur für die Gewerkschaftsmitglieder vor, als eine Art Ausgleich dafür, dass die Nicht-Mitglieder auch von der Gewerkschaftsaktion profitieren, ohne sich jedoch an den „Lasten“ dieser Aktion zu beteiligen.

Gewerkschaftsbewegung in Krisenzeiten (1971-2002)

In den 70er Jahren setzt die CSC regionale Ausschüsse ein, um die gemeinschaftlichen Probleme und die durch die Staatsreform an die Gemeinschaften und Regionen übertragenen Kompetenzen besser berücksichtigen zu können. Der Wallonische Regionalrat und das Vlaams Regionaal Comité (Flämischer Regionalrat) werden 1979 eingesetzt. Der Brüsseler Regionalrat entsteht 1983.

1974 legt die Regierung unter dem Druck der CSC die Bindung der Sozialleistungen an den Index gesetzlich fest.

Die Wirtschaftskrise, die sich durch das Ende der Bindung des Dollars an den Goldstandard (1971) und die Ölkrise 73-74 ankündigte, verstärkte sich in den folgenden Jahren. Von 1974 bis 1984 steigt die Anzahl der entschädigten Arbeitslosen von 100.000 auf 500.000. Ingesamt sind mehr als 800.000 Personen von der Unterbeschäftigung und deren Folgen betroffen und ungefähr 25 % der Mitglieder sind arbeitslos. Um ihren Ansprüchen gerecht zu werden, gründet die CSC 1981 einen nationalen Arbeitslosendienst.

Die Krise bringt das System der Sozialkonzertierung ins Wanken. Zwischen 1976 und 1986 wird kein wirkliches überberufliches Abkommen abgeschlossen. Die sich folgenden Regierungen wenden Sparpläne an. Die CSC plädiert dafür, dass die Gruppen mit schwachem Einkommen so wenig wie möglich zur Kasse gebeten werden.

Die Unternehmen versuchen ihre vorherigen Gewinnspannen mit der massiven Einführung von neuen Technologien wieder zu erreichen. Zur Erhöhung der Rentabilität fordern sie eine hohe Flexibilität von den Arbeitnehmern. Schichtarbeit, Teilzeitarbeit in vielseitiger Form und alle Arten von Unterstatuten entwickeln sich.

In den 80er Jahren werden die Industriearbeiter als traditionelle gewerkschaftliche Vorreiter in den Hintergrund gedrängt durch eine Bewusstwerdung und einen größeren Kampfgeist in Arbeitnehmergruppen, die bisher weniger aktiv in der Gewerkschaftsbewegung waren: die Arbeitnehmer des öffentlichen Dienstes, des Unterrichtswesens und der sozialen Sektoren.

Nach 10 Jahren Unterbrechung wird 1987 erneut ein überberufliches Abkommen abgeschlossen. Zu dieser Zeit distanziert sich die CSC von der Regierungspolitik. Gleichzeitig intensiviert sich der Kontakt mit der FGTB.  

Anfang der 90er Jahre verschlechtert sich die wirtschaftliche Tätigkeit erneut und die Regierung setzt ihre Haushaltssanierungspolitik fort. Die CSC ist mit den gesteckten Zielen einverstanden, aber nicht mit den Mitteln und nicht mit den Fristen, die die Regierung durchsetzen möchte.

Im Herbst 1993 scheitert die Verhandlung eines neuen Sozialpaktes. Die Regierung erstellt einen Globalplan, der zur größten Streikbewegung seit 1960 führt. Dem Globalplan stellt die CSC ihr eigenes Zukunftsprojekt gegenüber, das sich um die Beschäftigung, die Wahrung der sozialen Sicherheit und die steuerliche Gerechtigkeit dreht. Dieser Zukunftsplan bleibt bis heute der Leitfaden der CSC-Aktion.

Die gewerkschaftliche Priorität für die Beschäftigung wird bei den Verhandlungen mit der Arbeitgeberschaft und der Regierung hervorgehoben. Sie führt zu zahlreichen Kundgebungen. Infolge der brutalen Schließung von Renault-Vilvorde und verschiedener anderer Umstrukturierungen wird im März 1997 in Brüssel eine Kundgebung für die Beschäftigung organisiert. Zahlreiche Gewerkschafter anderer Länder beteiligen sich an dieser Kundgebung.

Im Mai und im November 1997 werden Tage der europäischen Gewerkschaftsaktion organisiert, um von Europa zu fordern, mehr für die Beschäftigung zu tun. Die CSC spielt dabei eine wichtige Rolle.

Im Jahr 1998 legt ein überberufliches Abkommen einen Rahmen fest für die Verhandlung der Beschäftigung, der Löhne und der Weiterbildung. Im Dezember 2002 wird ein neues überberufliches Abkommen für 2003-2004 abgeschlossen: Es handelt sich um ein „Mini-Abkommen“ für eine Krisenzeit, aber es ermöglicht den Arbeitnehmern, die wesentlichen Errungenschaften, wie die automatische Indexierung, die Fortsetzung der Anstrengungen in der Weiterbildung und die Frühpensionssysteme zu wahren und es ermöglicht, die Erhöhung der Flexibilität zu vermeiden.

Bei der von der Regierung einberufenen Beschäftigungskonferenz im Herbst 2003 gelingt es der CSC, gewisse unakzeptable Regierungsmaßnahmen zu brechen. Im Oktober 2002 macht die CSC auf ihrem Kongress über das gerechte Einkommen eine Reihe von Vorschlägen im Sinne ihres Zukunftsplanes und ihres Kampfes für eine gerechte Besteuerung. Sie entscheidet sich auch, die Feminisierung ihrer internen Strukturen zu intensivieren und zu beschleunigen.

Dieser Beginn des 21.Jahrhunderts wird von der wachsenden Globalisierung geprägt. Eine Wirtschafts- und Finanzkrise bricht aus. Belgien spürt die zunehmende Einmischung Europas, das die öffentlichen Finanzen kontrolliert. 

Heute arbeitet die CSC unermüdlich daran, unser soziales System zu verteidigen. Dank unseres belgischen Systems überstehen wir die Krise besser als andere Länder. Doch als gewerkschaftliche Bewegung müssen wie weiterhin für den Erhalt unserer Errungenschaften kämpfen. Gemeinsam mit – und vor allem für – die 1,7 Millionen Mitglieder der CSC werden wir unserer Stimme Gehör verleihen und unseren Werten treu bleiben.   

Weitere Informationen

Wenn Sie mehr über die Geschichte der CSC wissen möchten, verweisen wir auf folgende Bücher:

Le mouvement ouvrier chrétien en Belgique. 1891-1991 (E. Gerard, Etudes KADOC, presse universitaire, Leuven, 1991, 2 parties)

100 ans de syndicalisme (1886-1986), CSC en collaboration avec KADOC-Leuven, 1986

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